Back to Top
     

Aktuelle Beiträge im TWR Blog

 
 
 
 

Führung

Veröffentlicht: Dienstag, 24. October 2017 17:03Geschrieben von Thomas Wolter-Roessler
Zugriffe: 626

User Rating: 0 / 5

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv

Bei meinen Streifzügen durch kleine und mittelständische Unternehmen der Gegenwart ist das Thema Führung so gut wie immer "on top". Wie kommt es eigentlich, dass Jahr für Jahr rd. 70.000 (!!) Buchtitel zu diesem Bestandteil unternehmerischer Wirklichkeit veröffentlicht werden und er dennoch nicht an Aktualität, Relevanz und Lukrativität verliert? Man möchte doch meinen, es sei alles dazu gesagt (nur vielleicht nicht von jedem), und doch scheint es ein geradezu unersättliches Verlangen nach der Beantwortung der Frage "Wie kann ich besser führen?" zu geben.

Unbestritten ist Führung im Unternehmen ein kritischer Erfolgsfaktor, d.h. Veränderungen jeglicher Couleur dort werden sich über kurz oder lang auf die Ergebnisse des Unternehmens auswirken; welche dies auch immer sein mögen: Betriebswirtschaftlicher Erfolg, Attraktivität als Arbeitgeber, Innovationsfähigkeit, Übernahme sozialer Verantwortung o.Ä.

Umso erstaunlicher scheint es mir, dass sich - zumindest in meiner Wahrnehmung - zwei Verhaltensmuster beharrlich fortsetzen, die laufend Schaden anrichten und die Organisation erfolgreich von den o.g. Erfolgen abhalten: Konkurrenz und Rechthaberei.

Verständlich ist, dass viele Führungskräfte und Geführte verschiedener Ebenen immer noch davon ausgehen, dass die Kultur des "Command & Control" (=Management) irgendwie gottgegeben und daher "die richtige" sei. Zwar mit bekannten Nachteilen, aber wenn der passende Gegenentwurf fehlt, nehme ich halt das bekannte Übel.

Damit akzeptieren diejenigen zumindest teilweise ein tayloristisches Menschenbild: Der Mensch ist von sich aus faul und kann nur durch Zuckerbrot oder Peitsche zur Arbeit bewegt werden. Sie glauben, dass "einer halt das Sagen haben muss" und räumen Entscheidungen mehr Wert ein, wenn sie aus einer höheren Ebene der Hierarchie kommen. Obwohl doch die Qualität einer Entscheidung mehr den Fähigkeiten (=Erfahrung, Überblick, Detailwissen, Intuition) des Entscheiders entsprechen dürfte als gemalten Kästchen (die übrigens meist von denen gemalt werden, die die Kästchen ganz oben beanspruchen).

Meine Beobachtungen in dieser Hinsicht lassen sich eingrenzen:
win - lose: Hat der Chef Recht oder die Mitarbeiter?
Verhandlung und Kompromiss statt neuer Ideen
Kampf von oben nach unten: "Das müssen die jetzt mal kapieren"
Kampf von unten nach oben: "Sie werden schon sehen, dass das dann schiefgeht"

Vor allem das gegenseitige Sich-Absprechen der "richtigen Wahrnehmung" führt in meinem Erleben immer wieder in Sackgassen, in der meist das Gesetz der formellen Autorität gilt, gefolgt von der inneren Kündigung der Geführten. Gerne beginnt dieser verhängnisvolle Prozess mit den Worten "Die sehen halt nicht, dass..."

Zu allem Überfluss kam ja die autoritäre Führung in der Vergangenheit etwas aus der Mode, zumindest die sichtbare Variante davon. Entschieden wird also immer noch von oben, stellenweise versucht man aber, die Geführten glauben zu machen, sie wären eingebunden worden. Wie viele Workshops und Befragungen haben sich im Anschluss als Alibi-Veranstaltungen herausgestellt? Wie viel Hoffnung auf Partizipation ist im weiteren Verlauf umgeschlagen in die bittere Erkenntnis, dass die eigene Meinung wohl doch nicht gezählt hat?

Ja, Führung wird an der Stelle anspruchsvoll, wo es Interessenskonflikte gibt. Doch um die so genau zu sehen, dass sie gelöst werden könnten, braucht es gute Kommunikation (=Hören und Sprechen) und die Haltung des Wirklich-Verstehen-Wollens. Statt Motivation zu entwicklen, dem jeweils anderen seine Grenzen und seine Niederlage aufzeigen zu wollen, gibt es ein anderes, lohnenswertes Ziel: Sich über die Erfolge derer zu freuen, mit denen ich zusammenarbeite. Denn eigentlich wollen wir doch nur Eines: Entspannt Geld verdienen.

Kommentar schreiben (0 Kommentare)

Das mit der Digitalisierung da...

Veröffentlicht: Dienstag, 10. October 2017 17:02Geschrieben von Thomas Wolter-Roessler
Zugriffe: 240

User Rating: 0 / 5

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv

Leicht manipulierbare Wahlsoftware bei der Bundestagswahl 2017, nur von 9-16h "geöffnete" behördliche online-Services, ein Ministerialbeamter, der ein Grußwort zu einer Industrie4.0-Konferenz hält und dabei  von der "Tablette" statt vom "tablet" berichtet, ein Verband junger Unternehmer, dessen Satzung vorsieht, dass der Bundesvorstand nur dann beschlussfähig ist, wenn seine Mitglieder physisch vor Ort sind, schwäbische hidden champions, die die Digitalisierung ihres eigenen Unternehmens an einen externen Dienstleister vergeben wollen... Solange diese meine Beobachtungen im Jahr 2017 und folgende nicht abreißen, habe ich selbst keine Angst vor der Digitalisierung.

Gleichzeitig steckt in dieser flächendeckenden Ahnungslosigkeit vielleicht das größte Risiko der digitalen Transformation überhaupt:  Die mangelnde Vorbereitung darauf, wie sehr sie unsere Welt verändern wird.

Manches mag sich dabei als harmloser herausstellen, als zunächst gedacht: So wären wir Mitte der 90er Jahre wahrscheinlich alle Sturm gelaufen, hätte man uns gegenüber die Erwartung geäußert, auf verschiedenen Kanälen (Telefon, eMail, Kurznachrichten, soziale Netzwerke...) permanent erreichbar zu sein. Und heute machen wir das so freiwillig, dass manche Unternehmen beginnen, ihre Mitarbeiter und Führungskräfte schon wieder schützend davon abzuhalten.

Ich bin irrsinnig gespannt auf den Tag, an dem das erste autonome Fahrzeug einen Menschen totfährt. Der Tag, an dem der erste Mitarbeiter vom zentralen "DHRO" (digital human ressources officer) gekündigt wird. Nicht, dass ich diese Ereignisse irgendwie begrüßen würde, aber sie werden unser Verhältnis zu Maschinen neu definieren. Und das kann ja auch positiv ausgehen: Der erste autonome Chirurgie-Roboter, der erfolgreich einen diffizilen Hirntumor operiert, an den sich ein Mensch nicht herangewagt hätte. Der DHRO, der mir den Zuschlag für meinen neuen Traumjob gibt. Und so weiter.

Was ich besonders spannend finde an diesen Ereignissen, ist die Tatsache, dass wir hier Entscheidungs- und Handlungskompetenz an Maschinen übergeben und die Folgen direkt spüren werden. Gerechnet, simuliert und ausgewertet wird heute auch schon viel, aber Entscheidungshoheit und -transparenz bleiben bei uns Menschen. Das wird wohl so nicht bleiben. Irgendwann werden uns die Maschinen nicht mehr erklären (können/ wollen..), warum sie wie entscheiden. Jedenfalls werden wir es nicht nachvollziehen können.

Das bedeutet aber auch, dass wir dennoch eine Beziehung zu ihnen aufbauen werden, denn sie werden als handelnde Subjekte Mitglieder unserer Unternehmenskultur sein. Was halte ich denn vom Vertriebsroboter, der die Verhandlung mit dem Einkaufsroboter des Kundenunternehmens nicht gewonnen hat? Und mir dadurch meinen Bonus plattmacht? Was machen wir denn im Teamentwicklungsworkshop mit dem Schlaumeierrechner, der mit seinen Kommentaren vorr. auch noch Recht hat? Wir können ihm ja nicht mal mehr das Gegenteil beweisen und wissen, dass wir auf ihn hören sollten.

Je früher wir uns mit dem Gedanken befassen, eine Beziehung zu Maschinen, Robotern und Algorithmen aufzubauen, desto mehr werden wir in der Lage sein, die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen. Wie so oft in der Geschichte der Menschheit wird die Welt nicht untergehen. Sie wir neu entstehen.

Kommentar schreiben (0 Kommentare)

Führen ohne Weisungsbefugnis

Veröffentlicht: Freitag, 08. April 2016 11:20Geschrieben von Thomas Wolter-Roessler
Zugriffe: 2287

User Rating: 5 / 5

Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv

Im Rahmen eines Trainings "Führen ohne Weisungsbefugnis" durfte ich diese Woche erneut erfahren, welche Wirkung Offenheit, und hier vor allem der Umgang mit eigenen "Unzulänglichkeiten" haben kann. Ich bin an solchen Stellen immer wieder erstaunt über die Reaktionen meiner Zuhörer; denn bei kaum einem Fachthema werden mir so viel Interesse und der Wunsch nach "mehr" entgegengebracht, als wenn ich über die Themen spreche, an denen ich persönlich zu knabbern habe. Und wenn ich über mein durchlebtes Burn out spreche und vor allem offen über seine Ursachen und meine heutigen Konsequenzen reflektiere, dann habe ich oft das Gefühl, dass meine Zuhörer sprichwörtlich an meinen Lippen hängen. Natürlich ist es in unserer an vielen Stellen wettbewerbsgeprägten Gesellschaft wenig üblich, seine Sorgen und Nöte offen vor sich her zu tragen. Und vielleicht wollen wir das alles auch gar nicht immer so direkt wissen. Aber es scheint mir Momente zu geben, wo authentische Berichte über Misserfolge offensichtlich als hilfreich empfunden werden und wir von unserer Erfahrung gegenseitig profitieren können. Schade, wenn wir diese Momente nicht erkennen und so mancher sein Gefühl, mit seinen Problemen alleine auf dieser Welt zu sein, nicht los wird. Mein Appell an dieser Stelle: Lasst uns unsere Herzen auf der Zunge tragen! Wer sich lustig macht über Probleme eines anderen hat möglicher Weise noch ganz andere. Aber offensichtlich nicht den Mut, sich damit zu zeigen.

Kommentar schreiben (0 Kommentare)

Verhalten verstehen!

Veröffentlicht: Freitag, 25. March 2016 11:20Geschrieben von Thomas Wolter-Roessler
Zugriffe: 674

User Rating: 0 / 5

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv

Manchmal is es wirklich schwer zu verstehen, warum sich jemand so verhält, wie sie oder er sich gerade verhält. Und doch fahre ich persönlich sehr gut mit der Einstellung, dass es für jedes (!) Verhalten einen guten Grund gibt. Auch wenn die/ der Betroffene und ich diesen Grund nicht kennen. Nun ist das zunächst eine willkürliche Hypothese sein, dass es für alles Verhalten einen guten Grund gibt. Doch was bringt sie uns?

Wenn ich Verhalten von anderen erlebe, das mich bei der Erreichung meiner Ziele stört, habe ich verschiedene Möglichkeiten, darauf zu reagieren: Ignorieren (schwer, wenn es Einfluss auf meine Ziele hat), verurteilen (immer einfach, aber wenig hilfreich), erforschen (anstrengend, aber erklärend und hilfreich bei der Veränderung).

Mein Glaubenssatz bringt mich in die explorierende, neugierige Haltung. Aus einem "das kann die/ der doch nicht machen" wird ein "spannend, dass sie/ er gerade das als sinnvollen Schritt erachtet. Wie kommt's?" Das ist nicht nur wertschätzend, sondern hilft mir, mein Verhalten anzupassen und die-/ denjenigen mitzunehmen. Und vielleicht mich ein wenig im anderen wiederzufinden. Denn sind es nicht gerade die Sachen, die uns an anderen stören, die wir an uns nicht mögen?

Kommentar schreiben (0 Kommentare)
Don't have an account yet? Register Now!

Sign in to your account